Buchpräsentation: Harald Stadler & Rudolf Ingruber „Schrift, Bild und Gedächtnis“

Wie kommt die Unterschrift Franz von Defreggers auf ein Fresko von Simon von Taisten? Und das zu einem Zeitpunkt, an dem Defreggers Ruhm noch nicht absehbar war und Simon von Taisten niemand mehr kannte? Mit solchen und ähnlichen Fragen befasste sich Anna Petutschnig, die 2017/18 in der Kapelle von Schloss Bruck nicht weniger als 720 „Graffiti“, im Laufe von mehr als vier Jahrhunderten überwiegend an den Fresken mit Kreide, Bleistift oder durch Ritzungen öffentlich oder heimlich angebrachte Namen, Jahreszahlen und Sprüche kartiert hat.

Ob solche Zeugnisse als erhaltenswert gelten, ist eine Frage des historischen Urteils, das aus der jeweiligen Gegenwart und aus verschiedenen Perspektiven erfolgt. Sie erzählen von der wechselvollen Geschichte der Burg, deren Besitzer und deren Besucher, und sie sind auch eine Hilfe in Datierungsfragen, die in jüngerer Zeit neu gestellt worden waren.

Auf den herausragenden Wandmalereien in der Burgkapelle von Schloss Bruck, angefertigt im 15. Jahrhundert von Simon von Taisten, wurden vom beginnenden 16. bis Ende des 20. Jahrhunderts insgesamt 720 Graffiti angebracht. Foto: Wolfgang C. Retter

„Graffiti als terminus ante quem“ war daher der Arbeitstitel eines von Harald Stadler und Rudolf Ingruber organisierten internationalen Kolloquiums, an dem im Oktober 2021 Geschichtswissenschaftler, Kunsthistoriker und Archäologen die Graffiti-Forschung als noch junges, für künftige Kooperationen jedoch unverzichtbares Fachgebiet präsentierten. Der Technik-Campus wurde zum Schauplatz der ersten wissenschaftlichen Hybrid-Veranstaltung in Lienz. In dem soeben erschienenen, von Stadler und Ingruber herausgegebenen Buch „Schrift, Bild und Gedächtnis“ werden die Ergebnisse dieses Kolloquiums auf 234 fast durchgehend bebilderten Seiten nun der Öffentlichkeit vorgelegt. Anna Petutschnigs von Romedius Schmitz-Esser von der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg approbierte Masterarbeit bildet den Schwerpunkt des vorliegenden Bandes. Weitere Beiträge stammen aus der Feder von Michaela Frick, Hubert Ilslinger, Meinrad Pizzinini und Leo Andergassen.

Für die Präsentation des Bandes öffnet das Museum Schloss Bruck nun schon vorzeitig die Türen zum Rittersaal und der gräflichen Burgkapelle. Am Samstag, 12. April 2025, 11.00 Uhr präsentieren dort die Autoren ihr Werk der Öffentlichkeit, der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. Um Voranmeldung unter museum@stadt-lienz.at wird gebeten.