Jakob Pedevilla war erst vier Jahre alt. Die Fingerspitzen erreichten gerade so den Beckenrand, als er das Schwimmen von seiner Mama lernte. Der fast zwei Meter große Rettungssportler sitzt mir mit seinen lockigen Haaren und breitem Lächeln gegenüber, bereit, von seiner Sportkarriere zu erzählen.
Wenn der Rettungssport in den Genen liegt
Jaboks Eltern waren beide schon vor seiner Geburt aktive Mitglieder der Kärntner Wasserrettung – somit war er von klein auf auch dabei. Aus dem Rettungsschwimmen und dem Leistungssport wurde schließlich der Rettungssport – die langjährige Leidenschaft des 19-Jährigen. Wenn es in Österreich um Rettungsschwimmen als Sport geht, da fällt der Name Pedevilla öfter. War es früher sein Papa Philipp, der mehrfacher österreichischer Meister wurde, schwimmt heute auch Jakob österreichweit ganz vorn mit. Bereits mit neun Jahren stand er auf dem Podest und nahm bis zu seinem 13. Lebensjahr sporadisch an Wettkämpfen teil, ganz ohne richtiges Training. Mit 14 Jahren wurde aus bloßer Begeisterung Ehrgeiz – und das Trainieren zur Routine.
Training & Disziplin – Der Alltag eines Rettungssportlers
Beim Rettungsschwimmen geht es nicht nur darum, der Schnellste zu sein – Technik, Präzision und Köpfchen sind gefragt. Eine falsch geborgene Puppe oder ein verpatzter Wechsel und schon ist man disqualifiziert. Die größere Herausforderung im Vergleich zum klassischen Schwimmen, die Vielfalt und das erlernte Können, im Ernstfall auch einsetzen zu können, machen diesen Sport für Jakob so besonders. Um in dieser Sparte einer der Besten sein zu können, heißt es trainieren, trainieren, trainieren.
Vier- bis fünfmal pro Woche verbringt der Athlet seine Abende im Schwimmbecken, während andere schon auf dem Sofa liegen. Einmal wöchentlich stehen Rettungstechniken mit der Wasserrettung auf dem Programm – der Rest der Woche erfordert Selbstdisziplin für den Ausbau von Kraft und Geschwindigkeit. Um auch in der kalten Jahreszeit fit zu bleiben, ist der Schwimmer zusätzlich als Mitglied des Langlauf- und Radsportclubs Lienz auf Langlaufskiern unterwegs. Neben seinem derzeitigen Vollzeitjob bleibt dem HAK-Absolventen eher wenig Freizeit – doch ans Aufhören hat er nie gedacht. Auch Nachteile gibt es für ihn persönlich keine. Mit den Worten: „Man kann am Abend definitiv besser einschlafen, wenn man vorher schwimmen war“, rundete er dieses Thema ab.

Wettkämpfe, Titel und neue Ziele
Dass sich dieses harte Training auszahlt, zeigen die Erfolge: Acht bis neun Wettkämpfe schwimmt der Lienzer im Jahr – und Jakobs Titelsammlung wächst stetig. Erst Anfang Februar stand er bei den Meisterschaften in Tirol, Salzburg und der Steiermark auf dem Podest – zweimal davon ganz oben. Der Tiroler Landesmeistertitel qualifizierte ihn für die im Juli stattfindenden österreichischen Meisterschaften und bringt Jakob seinem nächsten Ziel einen Schritt näher. Die Weltmeisterschaft 2026 in Marokko!
Schafft es der Osttiroler, sich unter die Top 6 der besten Österreicher zu kämpfen, darunter Konkurrenten wie das Polizei-Leistungssportteam, der Arbeiter Samariterbund und das Jugendrotkreuz, steht einem Ticket nach Afrika nichts mehr im Weg. Sein Können stellte er bereits 2022 unter Beweis und staubte den Titel „Österreichischer Vizestaatsmeister“ im Rettungsschwimmen ab. Doch das ist nur ein Teil von Jakobs Erfolgsgeschichte: Gemeinsam mit der Mannschaft des Tiroler Landeskaders wurde er 2019, 2021 und 2022 gleich dreimal zum österreichischen Meister gekrönt. Seit drei Jahren gehört der Wasserretter zu den besten Rettungsschwimmern des Landes und schwimmt auch im Bundeskader der österreichischen Wasserrettung – ein Beweis für sein kontinuierliches Engagement und seinen Ehrgeiz, immer weiter an seine Grenzen zu gehen.


Wenn es nicht mehr um Medaillen, sondern um Menschenleben geht
Zu geschätzten 25 Einsätzen im Jahr wird die Osttiroler Wasserrettung gerufen, hauptsächlich von Mai bis September. Jakob versucht trotz seiner eher geringen Freizeit, bei jeder Meldung vor Ort zu sein. „Der längste Einsatz? Schwierig zu sagen, währenddessen verliert man oft das Zeitgefühl, ich denke fünf bis sechs Stunden“, erwidert der Rettungsschwimmer. Meistens werden die Retter:innen zu Vermisstensuchen, Raftunfällen oder Kajakbergungen gerufen – dafür trainieren sie regelmäßig in Drau und Isel.
Zukunftspläne: Zwischen Freizeit, Studium und Abenteuer
Nicht nur der Sport ist dem Lienzer wichtig, sondern auch seine Ausbildung. Nach seiner HAK-Matura heißt es ab Herbst studieren, und zwar in Richtung Tourismus, Sport und Freizeitwirtschaft. Über die Frage Innsbruck oder Villach wird noch intensiv gegrübelt, doch das Wichtigste ist, weiter trainieren ist in beiden Städten bestens möglich. Was macht der zukünftige Student, wenn er nicht im Schwimmbecken ist? Wildwasserschwimmen. Wo, außer im Wasser, sollte er sonst sein?
Ein Kollege der Wasserrettung animierte Jakob zu einem perfekt passenden Ferialjob: Raftingguide! „Einen besseren Sommerjob könnte ich mir nicht vorstellen. Für den Adrenalinkick springen wir nach einer bestimmten Tour von der Brücke in der Nähe des Cool’s – Center of Outdoor Lienz – das ist inzwischen Tradition.“ Bevor dem 19-Jährigen Schwimmhäute wachsen, muss auch er irgendwann zur Ruhe kommen. Er verbringt gerne Zeit mit seiner Freundin, seinen Freunden und seiner Familie – und hat dabei auch seit Kurzem das Kuchenbacken für sich entdeckt. Essen findet er aber nach wie vor spannender als Backen.

Ein Posting
Danke Jakob, vorbildlich für andere junge Menschen es dir gleich zu tun. Größten Respekt vor deinen Leistungen. Weiterso Griasenk
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