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Zwei Texte, ein Bild und gute Gedanken zur Isel

Diesmal beschreiben Walter Gradnig, Wanda Furtschegger und Angelika Taxer ihre Beziehung zum Fluss.

Unsere Kollektion an kreativen Einsendungen zum Iseljahr 2025 – gesammelt von der Tiroler Umweltanwaltschaft – wächst und macht schon jetzt spürbar und sichtbar: Dieser Fluss ist für die Menschen in Osttirol etwas Wichtiges und Besonderes, eine Lebensader des Bezirkes und Inspirationsquelle für all jene, die sich an den Ufern oder auch im Wasser des Gletscherflusses aufhalten. 

Wir beginnen mit einem Text der bekannten Lienzer Autorin Wanda Furtschegger:

Die Isel

Niemand wird mich je so gut kennen, wie mein Heimatfluss.
Wann immer ich in all den Jahren die Brücke zwischen Iselturm und Iselquai überquert habe, hieß er mich willkommen und hörte mir geduldig zu, was ich ihm zu erzählen hatte.
War ich traurig, löste er meinen Schmerz, war ich fröhlich, klang sein Rauschen munter, als fühle er mit mir. Menschen kamen und
gingen in meinem Leben, er aber blieb und erfreute mich zu jeder
Jahreszeit. Es war mir, als verwandle er sich eigens für mich, als wolle er mich immer wieder überraschen. Die Zeit scheint an ihm
spurlos vorüberzugehen, ohne ihn altern oder müde und kraftlos
werden zu lassen. Der Fluss wird mir weiterhin zur Seite stehen und für mich da sein, wann immer ich ihn brauche. Bevor ich ihn jedoch einmal verlasse, weil mir gar keine andere Wahl bleibt, wird er all meine Gedanken in sich aufnehmen und an jede seiner Wellen weitergeben. Auf diese Weise wird etwas von mir bestehen bleiben, solange es den Fluss gibt.

Wanda Furtschegger


Walter Gradnig nähert sich künstlerisch an den Iselfluss an und zwar nicht über das Wasser, sondern über die Steine an den Ufern des Flusses, oft geschliffen zu runden Kieseln, immer einzigartig und unerschöpflich im Farben- und Formenreichtum. Diese vom Fluss geformten, harten Fundstücke kombiniert Gradnig mit weichen, textilen Materialien und baut damit bewusst ein kreatives Spannungsfeld auf.

„Konglomerate“, „Bruchstücke“, „Innige Verbindungen“ – das sind einige Titel von Gradnigs Ausstellungen, zu denen auch eine Schau mit dem Titel „Isel-Kiesel“ zählte, benannt nach eine ganzen Serie von gleichnamigen, collageartigen Objektbildern. „Stoff und Stein  …  das beschäftigt mich sehr“, sagt der Autodidakt: „Innige Verbindungen im Spannungsfeld von hartem Stein und weichem Stoff – Sperriges trifft Anschmiegsames, zu einem Gedicht ohne Worte.“ Hier ein Beispiel:


Den Abschluss macht heute wieder ein Text, der wunderbar einfängt, was viele „Flussmenschen“ an den Ufern der Isel spüren, egal ob am jungen Oberlauf, oder auf Steinen und Sandbänken im Lienzer „Wasserrain“. Angelika Taxer hat uns diese poetischen Zeilen geschickt.

der tagesalltag beginnt mit deiner überquerung.
in deiner nähe suche ich an heißen sommertagen abkühlung und abends glühwürmchen.
ein erfrischendes fußbad in dir nach einer bergtour ziehe ich jedem wellness-tempel vor.
schweigend hast du briefe davongetragen und mich im selben moment das panta rhei gelehrt.
du fällst tosend über die geländekanten im umbaltal. manchesmal staune ich über einen regenbogen in deiner gischt. später plätscherst du sanft dahin.
immer unterwegs und allerorts wandlungsfähig geht keiner deiner tropfen verloren. sie verdunsten oder reisen mit dir ins meer.
du nimmst mich an der hand und gibst mir immer ein gutes gefühl. danke isel, du belebendes elixier!
angi taxer


Liebe Leserinnen und Leser, was fällt Ihnen zum Thema „Isel“ ein? Ein Gedicht, ein Foto, ein Video, ein Text, ein Aquarell oder vielleicht sogar ein Lied? Schicken Sie Ihren Beitrag per Mail an die Tiroler Umweltanwaltschaft, die für die Isel eine eigene Website eingerichtet hat: www.die-isel.at. Dolomitenstadt.at wird als Medienpartner der Umweltanwaltschaft die besten Beiträge veröffentlichen und im Iseljahr 2025 auch einen eigenen redaktionellen Schwerpunkt setzen.

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