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80 Meter Gesamtzuglänge, davon 42 Meter starre Länge – das Publikum bewundert die Millimeterarbeit der Lkw-Fahrer. Foto: APG/Martin Lugger

80 Meter Gesamtzuglänge, davon 42 Meter starre Länge – das Publikum bewundert die Millimeterarbeit der Lkw-Fahrer. Foto: APG/Martin Lugger

Riesentrafo: 489 Tonnen rollten nachts durch Osttirol

Akribische Vorbereitung und höchste Präzision zahlten sich aus. Der „Umspanner“ ist am Ziel in Matrei.

Kein Wunder, dass am 1. April hunderte Schaulustige am Kreisverkehr „Mitteregger-Kreuz“ in Lienz die Handys zückten. Was da von Debant kommend durch die Stadt und weiter ins Iseltal rollte, war in jeder Hinsicht ein Superlativ des Schwertransports auf der Straße. Die Austria Power Grid (APG) lieferte einen Trafo nach Matrei. Und was für einen!

12 Meter lang, 4 Meter breit, 5 Meter hoch und 236 Tonnen schwer – der Transformator, der aus dem Burgenland angeliefert wurde, ist tatsächlich ein Gigant. Das Gesamtgewicht des Transportzugs, der in der Nacht von 1. auf 2. April durch Osttirol rollte, war mit 489 Tonnen sogar mehr als doppelt so schwer. Zwei Lkw mit je 630 PS waren nötig, um die Steigungen entlang der Strecke zu überwinden: einer zum Ziehen, einer um zu schieben.

Das sind aber nur die vordergründigen Daten für das Ende einer Reise, die bereits 2021 begann und nicht nur Pferdestärken sondern vor allem eine Menge logistisches Wissen erforderte. Wolfgang Ranninger, der seit zehn Jahren für den Stromnetzbetreiber APG die Umspannwerksprojekte managt, erklärt die Details. Bis zum Umspannwerk Lienz in Nußdorf/Debant, das direkt an das Schienennetz der ÖBB angebunden ist, fuhr der Koloss aus dem Burgenland per Bahn.

APG-Projektleiter Wolfgang Ranninger hat langjährige Erfahrung mit Trafo-Transporten. Foto: APG/Martin Lugger

Die Ausfahrt aus dem Umspannwerk Lienz dauerte rund 20 Minuten. „Mit höchster Präzision wurde das Gefährt vom Logistik-Team aus seinem ,Parkplatz‘ gelotst: Mit 80 Metern Gesamtzuglänge, davon 42 Meter starre Länge, ist jede Kurve eine Herausforderung – aber die erfahrenen Techniker und insbesondere die Fahrer der Transportfirma wissen, wie man solch scharfe Manöver durchführt,“ betont Ranninger, der mit zahlreichen Trafotransporten im Laufe seiner bisherigen Karriere bei APG selbst jede Menge Erfahrung mitbringt.

Im Vorfeld mussten entlang der Draustraße diverse Zäune und Einbauten temporär demontiert sowie eine Kurve befestigt werden. Um 19:00 Uhr fuhr die gigantische Transporteinheit, eskortiert von fünf Begleitautos, im Schritttempo auf die B100 und weiter Richtung Ortsdurchfahrt Lienz. Auch dort waren Adaptionen der Verkehrsinfrastruktur notwendig, zum Beispiel die Entfernung einiger Verkehrsschilder.

Bergauf durch das Iseltal galt es schließlich, den Tross auf der B108 sicher über sieben Brücken zu manövrieren. Ranninger: „Drei Brücken mussten mittels so genannter ‚Flyover‘, einer mobilen Brückenkonstruktion, die dabei hilft, das Transportgewicht zu stemmen, überfahren werden. Ein echter Drahtseilakt, bei dem der Fahrer diese temporär eingerichtete Brücke sehr langsam und gleichmäßig, ohne Bremsen oder Beschleunigen überquert – nur so kann sich das Gewicht gleichmäßig verteilen. Abrupte Bremsmanöver oder kurzfristige Beschleunigung würden zu ungewollten Belastungen auf der Brücke führen.“

Die Auflage und Überquerung aller Flyover dauerte etwa drei Stunden. Zwischen St. Johann im Walde und Huben wurde daher der Verkehr zwischenzeitlich auf die Kienburger Landesstraße umgeleitet. Abgesehen davon wurden drei andere Brücken in enger Abstimmung mit der Tiroler Landesregierung und TINETZ sogar bautechnisch verstärkt.

Um den Fahrplan einzuhalten und die Verkehrsbeeinträchtigungen möglichst gering zu halten, hielt das perfekt eingespielte Team permanent über Funk Kontakt und koordinierte jeden Handgriff. „Die rund 29 Kilometer lange Fahrt von Lienz nach Matrei mit einer Maximalgeschwindigkeit von 20 km/h dauerte sieben Stunden. Um 01:30 Uhr fuhr der Transformator schließlich im Umspannwerk ein,“ informiert der APG-Projektleiter, und: „Tags darauf dauerte es weitere ca. vier Stunden, bis das Schwergewicht auf seinem wasserdichten Fundament platziert war.“

Dolomitenstadt-Videoreporter Nils Klinger begleitete den APG-Tross während der gesamten Transportdauer. Hier seine Eindrücke:


Die Facts zum Riesentransformator:

Ist der Transformator nagelneu?
Nein. Transformatoren haben laut APG eine lange Lebensdauer von 40 bis 50 Jahren. Manchmal kommt es daher vor, dass die ‚Riesen‘ den Standort wechseln. So auch in diesem Fall. Im Burgenland wurde im Sommer 2024 ein 380/110-kV-Transformator mit einer höheren Einspeisekapazität von 300 MVA installiert. Sein 200 MVA starker Vorgänger passt exakt zu den Anforderungen am neuen Standort in Matrei. Deshalb der Transport quer durch Österreich.

Wofür genau wird der gewaltige Transformator gebraucht?
Der Transformator ist das Herz eines jeden Umspannwerks. Ab dem Sommer 2025 wird Matrei in Osttirol mit Strom aus dem österreichweiten Netz der APG „angespeist“. Ankommender Strom wird transformiert und weitergeleitet. Das Bindeglied zwischen dem regionalen 110-kV-Netz von TINETZ auf der einen und den 380kV spannungsführenden APG-Hochspannungsleitungen auf der anderen Seite ist der neue „Umspanner“.

Musste deshalb das Umspannwerk Matrei adaptiert werden?
Ja. Das neue Umspannwerk Matrei wurde von TINETZ und APG geplant und errichtet, insgesamt belaufen sich die Investitionen auf 46,5 Millionen Euro.

Wie passen Umspannwerk und Trafo in das Gesamtnetz?
Das APG-Netz erstreckt sich auf einer Trassenlänge von etwa 3.500 Kilometern. Über die Steuerzentrale in Wien wird ein Großteil der insgesamt 67 Umspannwerke, die in ganz Österreich verteilt sind, remote betrieben. Der APG-Netzentwicklungsplan sieht bis 2034 die Errichtung weiterer 65 Transformatoren vor. Insgesamt investiert der Netzbetreiber in diesem Zeitraum neun Milliarden Euro in den Aus- und Umbau der Netzinfrastruktur sowie deren Digitalisierung.

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Ein Posting

Village Pizza
vor 60 Minuten

Schön dass wir Straßen haben auf denen auch solche Auti fahren können. Wolf_C hätte den Trafo mit dem Lastenfahrrad auf dem Feldweg transportiert.

 
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