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Auf der Spur der Amphibien in Österreich

Forscherinnen der Uni Innsbruck ermittelten mithilfe von Freiwilligen den Bestand heimischer Arten.

Im vergangenen Jahr berichteten wir über das Citizen-Science-Projekt „Frosch im Wassertropfen“. Interessierte aus ganz Österreich konnten sich bis Ende März anmelden, ab April verschickten Forscher:innen des Innsbrucker Instituts für Zoologie über 1000 Probensets. Die teilnehmenden Privatpersonen, Schulen, Vereine, Naturparks und Behörden waren aufgerufen, eine Filterprobe mit Wasser aus dem eigenen Gartenteich oder einem öffentlichen Kleingewässer in der Umgebung zu nehmen. 

„Von den 1.120 Beprobungskits haben wir großartiger Weise 97 Prozent retour bekommen“, freut sich Projektkoordinatorin Martina Nindl-Kaplenig. „Unsere Citizen Scientists haben begeistert Wasserproben aus Gartenteichen, Hochgebirgsseen, Schutzgebieten und Kleinstgewässern entnommen, gefiltert und an uns zurückgesendet. Wir haben außerdem zahllose Emails und Fotos bekommen. Unser methodisches Vorgehen hat sich als erfolgreich gezeigt und ist zukunftsweisend.“

Im Labor angekommen, wurden die Wasserproben mittels eines kombinierten Ansatzes untersucht. „Jede Amphibienart hinterlässt über Ausscheidungen, Eier oder Gewebereste DNA-Spuren im Wasser, die sogenannte eDNA (environmental DNA). Mithilfe des Metabarcodings haben wir in jeder Wasserprobe zunächst das Artenspektrum der vorkommenden Amphibien identifiziert – und zwar ganz ohne die Tiere sehen oder gar fangen zu müssen“, erläutert Projektleiterin Corinna Wallinger die erste Analysemethode.

Von den 1.120 verschickten Beprobungskits fanden 97 Prozent ihren Weg zurück zum Institut für Zoologie, wo die gespeicherten Wasserproben auf die enthaltende eDNA überprüft wurden. Foto: Oliver Mössinger
Das Team des Projekts „Frosch im Wassertropfen“ (v.l.): Ilvy Pernstich, Martina Nindl-Kaplenig, Carolin Strutzmann, Corinna Wallinger. Foto: Universität Innsbruck

Die Auswertung liefert ein erfreuliches Ergebnis: DNA-Spuren von 18 der 21 heimischen Amphibien konnten nachgewiesen werden. Die Ergebnisse wurden mithilfe von Expert:innen der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie (ÖGH) überprüft. „Die angewandte Methode kann zwar aktuell die jeweils drei Wasserfrosch- und Kammmolcharten nicht sicher unterscheiden, hat sich aber trotz des Weiterentwicklungspotentials als sehr vielversprechend erwiesen“, sagt Corinna Wallinger.

Manche der beprobten Gewässer waren mit bis zu acht verschiedenen Arten sogar besonders artenreich. „Von Fadenmolch, Kreuzkröte und Alpensalamander haben wir keine DNA-Spuren finden können. Das ist aber nicht überraschend, da diese Arten entweder sehr selten sind, oder keine Laichgewässer zur Fortpflanzung benötigen.“

DNA-Spuren von 18 der 21 heimischen Amphibienarten konnten mithilfe der Hobbyforscher:innen aus der Bevölkerung in den Wasserproben nachgewiesen werden. Foto: Christian Böck

Über das Verfahren der diagnostischen PCR suchten die Forscherinnen außerdem gezielt nach molekularen Hinweisen des eingeschleppten Töpfchenpilzes „Bd“. Dieser Pilz kann bei Amphibien eine Krankheit verursachen, die die Tiere schwächt und auch tödlich verlaufen kann. Eine Weiterverbreitung sollte daher unbedingt verhindert werden.

„Der Amphibienpilz wurde in ca. elf Prozent der Proben nachgewiesen und hier insbesonders im Osten und ganz im Westen Österreichs. Eine mögliche Ursache dafür könnte sein, dass dort das Klima wärmer und die Gewässer mitunter sehr vernetzt sind. Wenn Flüsse, Bäche und Seen in einer Region stark miteinander verbunden sind, wandert auch ein Erreger einfacher von einem ins andere Gewässer“, erklärt Corinna Wallinger.

Aber auch Menschen selbst tragen zur Ausbreitung des Amphibienpilzes bei. „Um eine Übertragung auf weitere Gewässer zu vermeiden und Amphibien zu schützen, sollte man darauf achten, Wasser, Pflanzen, Tiere oder Sedimente nicht zu verschleppen – zumal die Entnahme von Amphibien aus dem angestammten Lebensraum naturschutzrechtlich verboten ist. Hände, Ausrüstung und Schuhwerk sollten desinfiziert werden, bevor sie erneut mit Gewässern in Kontakt kommen“, betont Andreas Maletzky, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie.

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