Ihr Dolo Plus Vorteil:
Diesen Artikel jetzt anhören
00:00
00:00
Gemeinsam mit Kolleg:innen initiierte Birgit Sattler das Glacier Stewardship Programm. Foto: Franz Oss

Gemeinsam mit Kolleg:innen initiierte Birgit Sattler das Glacier Stewardship Programm. Foto: Franz Oss

Kann man die Gletscher­schmelze lokal verlangsamen?

Forschende rund um Brigitte Sattler konzentrieren sich neben der Schmelze auch auf Gefahren und Biodiversität im Eis.

Rund um den Globus stehen die Eismassen unter Druck: Trotz ehrgeiziger Ziele wie der Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad werden bis zum Ende des Jahrhunderts weltweit bis zur Hälfte der Gletscher verschwunden sein. Bei einem Anstieg der Durchschnittstemperatur um 2,7 Grad bis zum Jahr 2100, wie ihn aktuelle Klimamodelle vorhersagen, würden ganze Regionen in Mitteleuropa, Westkanada, den USA und Neuseeland fast vollständig verschwinden.

Die negativen Folgen dürften bereits bekannt sein. Gletscher speichern rund 70 Prozent des Süßwassers der Erde und versorgen 22 Prozent der Weltbevölkerung mit Trinkwasser. Somit sind sie für die Wasser- und Ernährungssicherheit von Milliarden von Menschen von entscheidender Bedeutung – mit direkten Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit und das Wirtschaftswachstum.

Das Abschmelzen der Gletscher führt außerdem zu einer Destabilisierung der Gebirgsregionen: Felsstürze, Eislawinen und Gletscherseeausbrüche stellen eine direkte Bedrohung für die lokale Bevölkerung in den betroffenen Gebieten dar. Nicht zuletzt beherbergt Gletschereis ein erstaunlich vielfältiges Mikrobiom, welches eine entscheidende Rolle für Kohlenstoff- und Nährstoffkreisläufe spielt.

Der Gaisbergferner in den Ötztaler Alpen wird unter einer globalen Erwärmung von 2,7°C voraussichtlich bis 2039 fast verschwunden sein. Foto: Birgit Sattler

Um die Gletscherschmelze lokal zu verlangsamen, gletscherbedingte Gefahren zu mindern und die im Gletschereis eingeschlossene mikrobielle Artenvielfalt zu erhalten, arbeiten mehr als 20 Universitäten, Forschungseinrichtungen und 37 Wissenschaftler:innen zusammen. „Um all diese Facetten zu erfassen, braucht es eine interdisziplinäre Forschung, die unterschiedliche Perspektiven vereint“, erklärt die Gletscherforscherin Birgit Sattler den Hintergrund des Glacier Stewardship Programms, an dem die Universität Innsbruck federführend beteiligt ist.

Das internationale Team setzt sich zum Ziel, das Reflexionsvermögen des Gletschereises zu erhöhen und die Schneeakkumulation zu fördern. Im Vordergrund steht dabei die ökologische Nachhaltigkeit, die Skalierbarkeit und Reversibilität sowie die gesellschaftliche Akzeptanz. Die beteiligten Akteur:innen initiieren außerdem ein globales Netz von Beobachtungsstellen, um Risiken wie Gletscherseeausbrüche und Eislawinen zu verfolgen und vorherzusagen. Zudem werden neuartige Sensoren entwickelt, KI-gestützte Überwachungssysteme eingesetzt und Satellitentechnologien genutzt, um Frühwarnsysteme zu etablieren. In Ergänzung wird eine internationale Mikrobiom-Biobank in der Schweiz eingerichtet, um Gletschermikroorganismen für künftige Generationen zu sichern, bevor es zu spät ist.

„Es ist ein unkonventionelles Projekt in herausfordernden Zeiten. Durch transparente Kommunikation sowie die Einbindung von Stakeholdern und der lokalen Bevölkerung hoffen wir, die notwendige Akzeptanz zu schaffen. Dabei ist es essenziell, ökologische und ethische Standards konsequent einzuhalten. Unser Ziel ist es, das Bewusstsein für die Bedeutung der Gletscher und die Folgen ihres Verschwindens zu schärfen – und gemeinsam lösungsorientierte Ansätze zur Erhaltung von Eis und dessen Biodiversität zu entwickeln“, so Sattler, die die Initiative mit zwei führenden Universitäten in der Schweiz ins Leben rief.

Bestehende Maßnahmen zum Erhalt der Eismassen werden im Rahmen des GSP weiterentwickelt. Foto: Birgit Sattler

Das könnte Sie auch interessieren

Gletscher in einer „massiven Phase des Zerfalls“

Der Alpenverein legt seinen jährlichen Bericht vor: „Wir sehen eine komplette Veränderung der Landschaft“.

3

4 Postings

wolf_C
vor 3 Tagen

... das der Gletscher statt 2026 erst 2027 verschwindet ist wichtig für den SkiWeltcup im Autodrüberfahrerland ...

 
2
0
Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
msalcher
vor einer Woche

Kann man die Gletscher­schmelze lokal verlangsamen? Kurze Antwort: Nein Da hilft auch kein E-Auto - oder Fahrradwahnsinn !

 
5
8
Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
    Senf
    vor einer Woche

    Eine Dokumentation mit internationaler Mikrobiom-Biobank in der Schweiz mag schon richtig und wichtig sein, sie kommt für diesen Zweck allerdings um Jahrzehnte zu spät, denn es gibt heute ja nur mehr kümmerliche Gletscherreste vergangener Eiszeiten. Das "Ewige Eis" geht zu Ende, da helfen wahrscheinlich auch die Abdeck-Plastikplanen aus dem Rohstoff Erdöl aus den Tiefen der Erdkruste nichts.

     
    1
    4
    Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
    Vlad Tepes
    vor 4 Tagen

    Der fossile Brennstoffwahnsinn hat uns dahin gebracht, wo wir jetzt sind. Uneinsichtigkeit ist eine faule, bequeme Haltung. Wie nachkommenden Generationen die Untätigkeit erklärt wird, wird interessant.....vielleicht wie die NS- Mitläufer, "wir haben ja nichts gewusst". Angesichts der klaren Faktenlage eher schwierig, da werden die rechten Verharmlosungsphantasien ein wenig lächerlich erscheinen.

     
    1
    1
    Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren